Und nun ist Jenny bei uns. Eine wundervolle Hündin, die ich schon vor ca 3 Jahren (?) in nem Forum entdeckt hatte... Ich zeigte sie meinem Bruder, wie ich ihm oft Hunde zeige, die ich süß finde. Und dann geschah etwas "seltsames", ich nenne es Schicksal... Sie erschien ihm 2 mal im Traum, wo sie weinerlich zu ihm sagte "Hooooooool mich".. Sie ging ihm nie aus dem Kopf, und ich erkundigte mich immer besonders nach ihr. Oft wollte man mich überreden,ob ich sie nicht nehmen kann. Wir wohnten damals aber in einem relativ kleinem Haus, meine Mutter war dagegen und ich wusste nicht, wie gut das mit Emma und ihr klappen würde. Ich habe mich einfach nicht getraut. Dann war sie vermittelt. Ich habe immer nach ihr gefragt aber bekam keinerlei Infos mehr. Ich hoffte einfach, dass es ihr gut geht.
Zwei Tage nachdem Emma gestorben war und ich eigentlich erst keinen Hund holen wollte, dann aber dachte, ein Leben ohne Hund geht nicht, außerdem will ich einer Seele in Not helfen, habe ich Jenny wiedergefunden auf einer homepage. Ich war total aufgeregt und kam in Kontakt mit ihrer Pflegestelle. Sie war inzwischen von ihrer Familie wieder auf Pflegestelle gekommen, 200 km von uns. Sie wurde katastrophal beschrieben. Gesundheitlicher Zustand, sehr schlecht. (Was auch stimmte, sie hatte monatelangen Dauerdurchfall gehabt und kein Tierarzt konnte helfen) .. Wir bekamen das zum Glück relativ bald mit Hilfe einer Heilpraktikerin und Tierkommunikatorin in den Griff. Wir waren wirklich verzweifelt. Dann hieß es sie wäre typisch Kangal, und sie würde uns bestimmt beim 1. kennenlernen nicht freundlich begrüßen und sich garantiert nicht anfassen lassen. Mit Kindern könne sie gar nicht und überhaupt ein sehr stressanfälliger Hund.
Nach langen Diskussionen in der Familie und Überredungen meiner Mutter, entschlossen wir uns sie trotzdem kennenzulernen.

Wir fuhren hin und fanden sie dort in einem riesigen Hunderudel. Alle bellten und rannten auf uns zu. Sie war ruhig und machte 2 Bocksprünge. Sie wurde sofort neugierig und nachdem wir sie ansprachen kam sie nach 2 Minuten zu uns. Erst ganz kurz schnuppern, dann wieder weg, dann kam sie wieder schnuppern und wir wurden Freunde.

Wir gingen dann erstmal Gassi. Ihr Stresslevel war generell sehr hoch.
In einem kurzen Gespräch wurde klar, wir nehmen sie mit. Als wir alle Papiere fertig machten und wir richtung Haustür gingen kam sie wie selbstverständlich mit

Daheim hat sie meine Mutter freundlich begrüßt und hat sich ins Körbchen gelegt. Sie war von anfang an sehr lieb und sehr verschmust im Haus.
Draußen hatte sie panische Angst. Vor ALLEN Menschen, vor Kindern besonders, vor Geräuschen aller Art.. Sie ging monatelang nicht freiwillig mit uns Gassi. In den Garten ging sie auf gar keinen Fall! Sie stand zitternd auf dem Balkon und wollte nicht. Das wurde bald aber besser. Wenn wir erstmal draußen waren, ging sie mit uns gerne spazieren. Sie lernte an Menschen vorbeizugehen, einige Geräusche als normal einzustufen usw.
Leckerli nimmt sie draußen gar nicht. Sie lässt sich nicht mit Leckerli bestechen und alles was sie macht, macht sie entweder freiwillig oder gar nicht

Wenn man sie ruft und in die Hocke geht kommt sie meistens. Im Haus kommt sie auch so. An der 5m Leine orientiert sie sich sehr gut und macht alle Richtungswechsel mit usw. Wenn ein Auto kommt gehen wir zur Seite, das haben wir von anfang an so geübt. Letztens kam ein Auto von hinten und ich habe es gar nicht gemerkt, da hat Jenny mich zur Seite gezogen

braver Hund
Also alles was ich ihr beibringe, bringe ich ihr "versehentlich" nebenher bei. Wenn ich richtig mit ihr üben möchte, hat sie nicht viel Lust.
Aber Sitz machen kann sie schon. Herkommen

und sie ist super cool bei Intelligenzspielchen mit der Nase. Erst war sie ganz schüchtern und zaghaft und nun wird sie ein kleiner Champion. Ich bin richtig stolz auf alle Erfolge, ob groß oder klein.
Sie ist im Übrigen bisher noch gar nicht "typisch Herdenschutzhund"... Sie mag nicht in den Garten (obwohl wir jetzt viel ländlicher wohnen), sie ignoriert alle Menschen, und fast alle Hunde) bellt sehr wenig und sucht Schutz immer bei mir. Aber es schlummert in ihr, und das zeigt sich seit einigen Wochen hier im Haus, weil sie hier zu bewachen beginnt. Aber sie orientiert sich und wenn ich sie langsam heranführe ist alles kein Problem. Mittlerweile dürfen sie außer wir, noch 5 andere Menschen streicheln

Das ist schon ein Fortschritt.
Ich weiß nicht, ob irgendwann alles komplett normal mit ihr sein wird. Aber ich will sie Stück für Stück befreien !!
Aber es war alles eine riesige Herausforderung. Dachte immer ich habe Erfahrung mit ängstlichen Hunden, aber erst mit Jenny habe ich gemerkt, was es bedeutet einen wirklichen Angsthund zu haben. Einen Hund der eventuell traumatische Erfahrungen gemacht hat oder schlimme Verknüpfungen hat.
Daran arbeiten wir Schritt für Schritt.