hier ist Anika. Wir haben am Dienstag endlich unseren geliebten Rudi vom Flughafen in Hamburg abholen können. Verliebt habe ich mich in seinen Steckbrief und die tollen Bilder bei Ebay-Kleinanzeigen. Gesucht habe ich bis dato schon einige Monate. Zuerst in der Gegend und nach erfolgloser Suche schließlich auch außerhalb. Dabei habe ich nur wenige Anforderungen an unser neues Familienmitglied gestellt: Absolute Freundlichkeit (vor allem da wir zwei kleine Kinder im Alter von 2 und 4 Jahren haben und drei Katzen besitzen) und ich wollte unbedingt einen Hund, der wirklich ein zu Hause sucht und das nicht von einem Züchter aus. Ich wollte einem armen Tier eine Chance geben. Meine Erfahrungen mit den Tierheimen waren sehr negativ: Entweder wurde ich auf die angebotenen Tiere auf ihren Homepages verwiesen oder man hat Anfragen einfach ignoriert. Das war für mich wirklich unglaublich, weil ich dachte, dass sie eigentlich froh sein würden, wenn sie ein Tier vermitteln können. Zumal wir ein richtiges Tierparadies bieten können, durch unseren großen Resthof und wir beide auf eine lange Hundeerfahrung zurückblicken können, wobei ich sogar mit meinen damaligen Hunden aktiv im Hundesport war. Viele wollten mir sogar einen Hund ausreden, weil ich zwei keine Kinder habe. Sicherlich ist das nicht ganz unproblematisch aber mein Mann und ich sind auch beide mit Hunden groß geworden und es hat uns nicht geschadet. Ganz im Gegenteil. Nach der Kontaktaufnahme auf Rudis Anzeige war ich dann total begeistert von Kerstins und Gabys Engagement. Um ganz ehrlich zu sein, war mir nicht ganz wohl dabei, einen Hund aufzunehmen, den man vorher noch nie gesehen hat, weil ich bis dato meine Tiere immer nach dem "Verlieben-Prinzip" ausgesucht haben (oder sie mich). Nach kürzester Zeit und vielen Telefonaten und Gabys Besuch fühlte ich mich allerdings immer bestärkter darin, dass wir nicht nur mit Rudi, sondern auch mit den "Tierfreunden Antalya" eine gute Wahl getroffen haben. Wir stehen auch nach der Übergabe dieses wundervollen Hundes nach wie vor in direktem Kontakt und werden dies auch weiterhin. Da "Rudi" Gabys Patenhund war und sie kaum 10 Minuten von uns entfernt wohnt, wird sie ihn wohl auch in Zukunft noch häufiger sehen. Außerdem möchte ich diese Organisation auch künftig gern unterstützen. Mein Motto ist ja schon länger, wenn jeder von uns auch nur einen kleinen Teil dazu beiträgt, dass diese Welt eine bessere wird, dann wird sie es auch. Rudi gesellt sich übrigens zu zwei Eseln, einer Wasserschildkröte, drei Katzen und etlichen "Dorfgemeinschaftsenten" und viele dieser Tiere sind hier ziemlich ungeplant bei uns gelandet, sei es, dass sie einfach "über" waren, Handicaps haben oder im Umkreis von 3km alles zusammengebrüllt haben Tag und Nacht. Ich für meinen Teil halte nicht mehr viel von gezüchteten Tieren. Nicht, weil ich das nicht schätze aber es gibt einfach so viele Seelen auf diesem Planeten, die vielleicht nicht so makellos sind aber deren Charakter und Liebe einfach so unglaublich toll ist.
Am Dienstag haben wir wie gesagt alle vier unser neues Familienmitglied vom Hamburger Flughafen abgeholt. Zu Hause angekommen (als die Kinder im Bett und alle anderen Tiere versorgt und es somit ruhig war), haben wir ihn dann aus der Box gelassen (bzw. mit Futter herausüberredet) und es war einfach Liebe auf den ersten Blick. Er ist wirklich wunderschön und sehr charmant. Wenn auch sehr vorsichtig und schüchtern. Um ihm und den Katzen erst einmal die notwendige Ruhe zu ermöglichen, haben wir Rudi zunächst von diesen separiert untergebracht und begonnen die "Hund-Katzen-Kontakte" wohl dosiert und unter Aufsicht täglich immer weiter zu erhöhen. Bislang klappt das auch ohne Zwischenfall. Als Rudi das Haus am ersten Tag betreten hat, waren alle drei sofort auf Angriff gepolt. Mit "Waschbärschwanz" und Knurren. Heute, also nur zwei Tage später, lagen alle drei schon im Radius von 1-3 Metern zusammen. Zwar "unter Strom", also zumindest die Katzen, denn Rudi interessiert sich null für diese. Er kennt auch schon Katzen und umso behutsamer bin ich mit meinen drei "Krawalltüten", denn mit einem arglistigen Angriff rechnet Rudi ja nun so überhaupt nicht. Während der vergangenen 2,5 Tage hat sich Rudi als sehr sensibler und vorsichtiger Hund herausgestellt. Durch seine liebenswerte und überaus freundliche Art sehe ich allerdings keinerlei Probleme. Es hat sich nur eben sehr schnell herauskristallisiert, dass er - neben der, uns vorher schon durchaus bekannten Tatsache, dass er wirklich nicht viel kennengelernt hat in der Türkei - ein Hund ist, der viel Platz benötigt, da er es vorzieht, sich in für ihn neuen und unbekannten Situationen, zurückzuziehen und zwar weit zurückzuziehen. Glücklicherweise sind wir in der glücklichen Lage, eine 2500m² große Obstbaumwiese am Hof zu besitzen, die komplett mit Maschendraht eingezäunt ist und so ist das nun auch der Ort, wo er sich mit unseren Kindern angefreundet hat, denn das erste Zusammentreffen mit den "Minimenschen" verlief ein wenig anders, als geplant: Die Kinder haben ihn ja erst am folgenden Morgen kennengelernt und als ich morgens zu ihm kam und er überfreudig auf mich zugelaufen kam, passierte es: Als er die Kinder sah, blieb er plötzlich, wie zur Eissäule erstarrt stehen, um sich dann auch gleich umzudrehen und auf die Fensterbank zu springen. Was für ein Bild: Dieser nicht ganz so kleine Hund saß nun zitternd dort oben und versteckte seinen Kopf hinter der Topfpflanze. Auf der einen Seite musste ich bei diesem Anblick lächeln, auf der anderen Seite war mir nun aber klar, dass wir diese Begegnungen zukünftig mit sehr viel Behutsamkeit angehen müssen. Somit lief er die nächsten Begegnungen erst einmal nur frei auf der Obstbaumkoppel und konnte selbst entscheiden, in wie weit er sich den Kindern nähern möchte. Dies verlief so positiv und von Mal zu Mal besser, dass er seit heute Abend schon sehr souverän im Haus mit den Kindern umgeht und sich sogar schon neben sie ablegt oder sie anschnüffelt und sich über liebvolle Streicheleinheiten freut. Aber: Auch hier werde ich sehr wachsam bleiben und alle drei nur unter 100%iger Aufsicht zusammen lassen. Werden die Kinder zu übermütig, gehen wir aus dem Bereich des Tieres, wenn er dies nicht schon selbst getan hat. Zukünftig liegt also noch ein gutes Stück Arbeit mit viel Behutsamkeit und Ausdauer vor uns aber wir sind uns sicher, dass es sich lohnt und Rudi lernt nicht nur schnell, er ist auch stets freundlich und hat mir noch nicht ein einziges Mal Bauchschmerzen gemacht. Sein Verhalten und seine Mimik sind zudem sehr offensichtlich, sodass ich seine Gemütslagen sehr gut sehen kann. Ich werde Euch nun auch regelmäßig berichten. Hier erst einmal ein paar aktuelle Bilder:

Erstes Bild am Flughafen Hamburg. (31.10.2017)

Rudi müde vom Flug und den neuen Eindrücken auf seinem Platz in der Stube. (31.10.2017)

Freya & Rudi auf ihrer ersten gemeinsamen Runde. (01.11.2017)

Rudi völlig erschöpft nach einem aufregenden zweiten Tag in der neuen Heimat und dem ausgiebigen Shopping beim Zooladen wegen Halsband etc.. (01.11.2017)

Fertig angezogen für den letzten Abendspaziergang des Tages (01.11.2017)

Freundschaft schließen mit den "Minimenschen" im Obstgarten (02.11.2017)

Freundschaft schließen mit den "Minimenschen" im Obstgarten (02.11.2017)

Rudis erster Arbeitstag mit mir im Büro.

Heute auf der Obstbaumwiese.

Heutige Wanderung durch die holsteinische Schweiz mit Picknick und Nachbarhund "Joker".
Bis bald,
die verrückte "Rudi Familie"













